23. Thomas-Bernhard-Tage St. Veit, 13./14. Oktober 2017

 

Titel:

Thomas Bernhard als Polemiker

Neue Perspektiven auf einen streitbaren Autor

 

 

Freitag, 13.10.

 

19.30       Lesung Bodo Hell

(Moderation: Harald Gschwandtner)

 

 

Samstag, 14.10.

(Moderation der Vorträge: Harald Gschwandtner und Manfred Mittermayer)

 

09.00       Begrüßung & Einführung

09.15       Daniela Strigl (Wien): „Warum nur zwei Ohrfeigen?“ Thomas Bernhard, die
                österreichische Literatur und die Lust am Streit

10.00       Clemens Götze (Berlin): Das Spiel mit der unbequemen Weltstandpauke. Bernhards
                Polemik als zentrales Dichtungsverfahren

 

Kaffeepause

 

11.15       Harald Gschwandtner (Salzburg): „Ich habe nie einen Roman geschrieben“.
               
Thomas Bernhard und die literarischen Gattungen

 

Mittagspause

 

14.30       Norbert Christian Wolf (Salzburg): „Ich übertreibe ja in allem und jedem.“ Das Spiel mit
                Dichtung und Wahrheit in Bernhards Polemiken

15.15       Renate Langer (Salzburg): Polemik statt Trauerarbeit. Zum Spätwerk Thomas Bernhards

 

Kaffeepause

 

16.30       Podiumsgespräch zum Thema mit Martin Huber, Daniela Strigl und Norbert
                Christia Wolf (Moderation: Manfred Mittermayer)    

 

 

 

23. Thomas-Bernhard-Tage St. Veit 2017

Thomas Bernhard als Polemiker

Neue Perspektiven auf einen streitbaren Autor

 

Das Bild Thomas Bernhards als streitbarer wie umstrittener Schriftsteller hat die Wahrnehmung seiner Literatur und seiner Person zeitlebens begleitet und nachhaltig geprägt. Spätestens mit dem Jahr 1968, in dem Bernhard zwar die Studentenproteste demonstrativ gemieden, aber bei der Verleihung des Österreichischen Staatspreises in Wien für einen Eklat gesorgt hatte, ist der Beginn einer ‚zweiten Karriere‘ innerhalb seiner schriftstellerischen Laufbahn anzusetzen: Bernhard, dessen erste Lyrik- und Prosabände nur in kleinen Auflagen erschienen waren, reüssierte nun auch und im Besonderen als Polemiker – und geriet damit viel stärker als bisher ins Visier einer größeren medialen Aufmerksamkeit. Schon bald ließ sich sein literarisches Werk, so der Wiener Germanist Wendelin Schmidt-Dengler 1986, „nicht mehr ablösen von der Wirkung, die es gehabt hat“. Seine geschickt inszenierten Auftritte und pointierten, oft bewusst pauschalisierenden Äußerungen sorgten zuverlässig für die Erregung öffentlichen Ärgernisses. Nicht zuletzt deshalb ist sein Name bis heute auch jenen ein Begriff, die nie zu Bernhard-Lesern und -Leserinnen geworden sind.

 

Die diesjährigen Thomas-Bernhard-Tage haben sich zum Ziel gesetzt, dieses Bild genauer unter die Lupe zu nehmen. Wir haben deshalb Vortragende dazu eingeladen, Aspekte des Verhältnisses von Polemik und Literatur zu erkunden und an ausgewählten Beispielen vorzuführen, dass Bernhards Tiraden gegen Politik, Kultur und Gesellschaft nur mit einem erweiterten Blick auf individuelles Leben und literarisches Werk sowie unter Einbeziehung historisch-politischer Kontexte zu beschreiben und zu begreifen sind. Bereits am Freitagabend wird der in Salzburg geborene, heute in Wien und am Dachstein lebende Autor Bodo Hell aus seinen Arbeiten lesen.

 

 

Inhaltliche Konzeption 2017: Harald Gschwandtner

Die inhaltliche Planung der Thomas-Bernhard-Tage erfolgt an der Universität Salzburg in enger Zusammenarbeit zwischen Literaturarchiv (Martin Huber, Manfred Mittermayer) und Fachbereich Germanistik (Harald Gschwandtner, Hans Höller, Renate Langer).

 

 

 


 

Kurzbiographien

 

Clemens Götze

Geb. 1981 in Berlin; Studium der Literaturwissenschaft, Germanistischen Linguistik und Neueren Geschichte an den Universitäten Potsdam, Wien und der HU Berlin. Seit 2008 freier Autor, ab 2013 Beschäftigter im Öffentlichen Dienst. Zuletzt Lehrtätigkeit an der Universität Potsdam; diverse internationale Symposienbeiträge (u.a. in Frankfurt, Zürich und Ljubljana) und zahlreiche Veröffentlichungen zum Werk Thomas Bernhards, darunter jüngst eine Publikation zu Autorschaft und Inszenierung bei Bernhard (2016).

 

Harald Gschwandtner

Geb. 1986 in Bad Ischl; Studium der Germanistik und Geschichtswissenschaft in Salzburg; Redakteur des Jahrbuchs Musil-Forum. Studien zur Literatur der klassischen Moderne, 2013–2016 Universitätsassistent für Neuere deutsche Literatur, seit 2016 Projektmitarbeiter an der Universität Salzburg; Tätigkeit als Lektor und Korrektor; Forschung und Publikationen v.a. zur Literatur des 20. Jahrhunderts (Thomas Bernhard, Erwin Einzinger, Peter Handke, Elfriede Jelinek, Adolf Muschg, Robert Musil u.a.).

 

Bodo Hell

Geb. 1943 in Salzburg; Studium am Salzburger Mozarteum und an der Akademie für Musik und darstellende Kunst in Wien; lebt als Senner und freier Schriftsteller am Dachstein und in Wien. Sein künstlerisches Werk zeichnet sich durch eine intensive Vernetzung von Bild, Ton und Text aus. Für seine Arbeiten wurden Hell zahlreiche Preise zuerkannt, darunter der Rauriser Literaturpreis (1972), der Erich-Fried-Preis (1991), der Literaturpreis der Stadt Wien (1999) und der Preis der Literaturhäuser (2003). Mit Thomas Bernhard hat er sich u.a. im Band Frost: relaunched (Bibliothek der Provinz, 2006) auseinandergesetzt. Zuletzt erschienen: Bodo Hell Omnibus (Droschl, 2013), Stadtschrift. Fotos und Texte (Bibliothek der Provinz, 2015), Ritus und Rita (Droschl, 2017).

 

Martin Huber

Geb. 1963 in Neunkirchen; Studium der Deutschen Philologie und Philosophie in Wien, Lektor am Germanistischen Institut der Universität Wien, 2001–2013 Leiter des Thomas-Bernhard-Archivs in Gmunden; 2014–2017 Senior Scientist am Literaturarchiv Salzburg; Gestaltung mehrerer Ausstellungen zu Thomas Bernhard; zahlreiche Veröffentlichungen zum Werk des Autors, u.a. Mitherausgeber des Briefwechsels zwischen Thomas Bernhard und seinem Verleger Siegfried Unseld (gem. mit Raimund Fellinger u. Julia Ketterer, Frankfurt a.M. 2009) und der 22-bändigen Thomas-Bernhard-Werkausgabe (gem. mit Wendelin Schmidt-Dengler, Frankfurt a.M./Berlin 2003–2015).

 

Renate Langer

Geb. 1961 in Salzburg; Lehrbeauftragte am Fachbereich Germanistik der Universität Salzburg. Mitglied im Herausgeberteam der Thomas-Bernhard-Werkausgabe. Gemeinsam mit Manfred Mittermayer Herausgeberin des Schwerpunktheftes Porträt Christoph Ransmayr (2009) der oberösterreichischen Literaturzeitschrift Die Rampe. Publikationen zu Ingeborg Bachmann, Thomas Bernhard, Franz Grillparzer, Peter Weiss u.a. Forschungsschwerpunkte: Österreichische Literatur; Literatur und Psychoanalyse.

 

Manfred Mittermayer

Geb. 1959 in Ottensheim; Studium der Germanistik und Anglistik in Salzburg, Lehrtätigkeit an der Universität Salzburg, seit 2012 Leiter des Literaturarchivs Salzburg, seit der Saison 2013 (mit Ines Schütz) Intendant der Rauriser Literaturtage. Zahlreiche Publikationen, bes. zu Thomas Bernhard, Gestaltung mehrerer Ausstellungen (zu Thomas Bernhard, Peter Handke, Frank Wedekind), u.a. Mitglied im Herausgeberteam der Thomas-Bernhard-Werkausgabe. Zuletzt erschienen: Wedekinds Welt. Theater – Eros – Provokation, hg. mit Silvia Bengesser, Leipzig 2014; Thomas Bernhard. Eine Biografie, Salzburg/Wien 2015.

 

Daniela Strigl

Geb. 1964 in Wien; Literaturwissenschaftlerin, Kriti­kerin und Essayistin (F.A.Z., Die Welt, Falter, Der Standard u.a.). 20032009 u. 20112014 Mitglied der Jury des Ingeborg-Bachmann-Prei­ses (Klagenfurt). 2009 Mitglied der Jury des Deutschen Buchpreises sowie 20132015 des Preises der Leipziger Buchmesse. Seit 2007 Lehrtätigkeit am Institut für Germanistik der Universität Wien. Österreichischer Staatspreis für Li­te­raturkritik 2001, Max-Kade-Essaypreis 2007, Alfred-Kerr-Preis 2013, Berliner Preis für Literaturkritik 2015. Zuletzt erschienen: Sonderweg in Schwarzgelb? Auf der Suche nach einem österreichischen Naturalismus in der Literatur, hg. mit Roland Innerhofer, Innsbruck 2016; Berühmtsein ist nichts. Marie von Ebner-Eschenbach. Eine Biographie, Salzburg/Wien 2016.

 

Norbert Christian Wolf

Geb. 1970 in Innsbruck; Studium der Germanistik, Geschichte und Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft in Wien, Paris und Berlin; 2004–2009 Juniorprofessor an der Freien Universität Berlin, seit 2009 Universitätsprofessor für Neuere deutsche Literatur an der Universität Salzburg; Mitherausgeber des Jahrbuchs Musil-Forum. Studien zur Literatur der klassischen Moderne, seit 2014 Referent für Literatur- und Sprachwissenschaften des österreichischen Wissenschaftsfonds (FWF); zuletzt erschienen: Eine Triumphpforte österreichischer Kunst. Hugo von Hofmannsthals Gründung der Salzburger Festspiele, Salzburg/Wien 2014; Robert-Musil-Handbuch, hg. mit Birgit Nübel, Berlin/New York 2016; Poetiken des Posturalen. Inszenierungen von Autorschaft in der Literatur der Zwischenkriegszeit, hg. mit Clemens Peck, Paderborn 2017.